Osteopathie

Was ist Osteopathie? Bitte informieren Sie sich!

Jeder dritte Deutsche klagt mittlerweile über chronische Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Immunstörungen. Und unser Körper sendet Alarmsignale: Kopfschmerzen, Nackenverspannungen, Kreislaufprobleme, ständige Erkältungen.

Die klassische Medizin bleibt hier oft ratlos, denn die Symptome haben selten physische Ur-sachen. Allzu oft sind nämlich Streß, Überarbeitung und falsche Ernährung Gründe für den Dauer-Durchhänger. Unser Körper ist ein Spiegel der Seele. Er speichert alle Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens machen. Ob wir aus Angst die Muskeln verkrampfen oder aus Kummer den Atem unterdrücken: Der Körper merkt sich alles. Und reagiert mit Störungen und Blockaden.

Dann würden wir am liebsten für einige Zeit abtauchen, den Stress hinter uns lassen. Aber wo findet man so einen Ort der Stille, an dem der Körper Zuwendung bekommt, sanft therapiert und geheilt wird, und man nichts weiter tun muss, als loszulassen und sich zu entspannen. Alternative Heilmethoden wie z.B. die Osteopathie bieten den Patienten das, was die traditionelle Medizin nicht leisten kann.

Bei dem Begriff  “Osteopathie“ handelt es sich um eine Methode der Manuellen Medizin. Sie wurde von dem US-amerikanischen Arzt Dr. Andrew Tailor Still (1828-1917) in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts begründet.

Dr. Still war zu seiner Zeit mit den Ergebnissen und der Arbeitsweise der zeitgenössischen Medizin nicht mehr zufrieden. Er war der Meinung, dass viele Medikamente und unnötige Operationen oft nur ein Ersatz waren für mangelnde Kenntnisse der Zusammenhänge menschlichen Lebens.

Eine der wichtigsten Grundlagen des Lebens ist die Bewegung bzw. Beweglichkeit. Dr. Still schloss daraus, dass es wichtig ist, die Beweglichkeit des Organismus zu erhalten bzw. zu verbessern und so durch eine Optimierung der Durchblutung und des venös-lymphatischen Rücktransportes die Selbstheilungskräfte anzuregen.

Bei allen seinen Patienten war es ihm möglich, zu ihren jeweiligen Erkrankungen passende Einschränkungen der Beweglichkeit der betroffenen Gewebe (z.B. Einschränkungen der Lungenbeweglichkeit bei Lungenentzündungen), aber auch reflektorisch bedingte Bewegungsverluste der Wirbelsäule zu ertasten, die er in der Therapie wieder zu mobilisieren versuchte. Er benutzte also „OS“, (griechisch) Knochen, als Hebel gegen „PATHOS“ (griechisch) Leiden. So erklärt sich der Begriff „Osteopathie“.

Der Erfolg seiner Methode war so groß, dass es schon bald nötig wurde, sie an Studenten weiterzugeben. Im Jahre 1894 kam es zur Gründung der ersten Hochschule für Osteopathie. Die-se und viele Neugründungen bestehen noch heute, so dass die Osteopathie gegenwärtig ein integrierter Bestandteil des US-amerikanischen Gesundheitssystems ist. Durch zurückkehrende Immigranten kam die Osteopathie schon sehr frühzeitig nach Europa. So kam es zur Gründung von Schulen in England (1913), später Frankreich und Belgien und leider erst seit 1988 auch in Deutschland.

ARBEITSWEISE UND VORGEHEN IN DER OSTEOPATHIE

Die Grundlage der osteopathischen Arbeit ist, wie in der klassischen Medizin, eine präzise Kenntnis von Anatomie und Physiologie. Man macht diese allerdings zur Basis einer genauen manuellen Untersuchung, aus der sich dann Diagnose und Therapie ergeben. Dabei wird der Organismus als Einheit begriffen, die man nicht in einzelne, voneinander unabhängige Teile zerlegen und behandeln kann. Neuere Forschungen über die Komplexität der Regelkreise in ökologischen Systemen oder lebenden Organismen bestätigen diese Sichtweise.

OSTEOPATHISCHE DYSFUNKTION / LÄSION

Die Grundlage der Arbeit mit den Patienten wurde der Begriff der “osteopathischen Dysfunktion“ - das bedeutet eine ertastbare Einschränkung der Beweglichkeit der Gewebe des Körpers als Richtlinie für Diagnose und Therapie, im Gegensatz zur Symptombeschreibung und -behandlung in der “klassischen“ Medizin.

Am einfachsten ist diese wahrscheinlich im Bereich der Gelenke nachzuvollziehen, als sogenannte „blockierte“ Gelenke. In der Osteopathie wird dieser Begriff jedoch viel weiter aus-gedehnt, z.B. auf innere Organe und deren freies Gleiten gegeneinander, oder Spannungen von Blutgefäßen im Rahmen von Anpassungsreaktionen an Stress. Auch die Verarbeitung emotionaler Traumen und deren Kompensation in komplexen Tonusveränderungen (Tonus: Spannung, z.B. von Muskeln ->Haltungsveränderungen) gehört in diesen Bereich. Ein Symptom entwickelt sich erst dann, wenn der Organismus nicht mehr in der Lage ist, die Gesamtheit der bestehenden Dysfunktionen zu kompensieren (auszugleichen).

Mit differenzierten Techniken wird die Beweglichkeit der betroffenen Strukturen gezielt verbessert und damit die Dysfunktion gelöst. Dadurch wird es dem Menschen möglich gemacht sich selbst auf natürliche Art und Weise ins Gleichgewicht zu bringen und eine ökonomischere Funktionsweise zu finden. Der Osteopath „heilt“ also den Patienten nicht, sondern gibt eine Hilfestellung, besser und ohne funktionelle Einschränkungen zu leben - der Organismus als ökologisches System heilt sich selbst am besten und nachhaltigsten. Der Patient/Klient wird in der klassisch osteopathischen Behandlung also rein „handwerklich“ unterstützt, um den Griff zu Medikamenten oder Operationen zu vermeiden.

1. Osteoartikulärer Bereich

Er beschäftigt sich mit den Dysfunktionen der Gelenke, unter Beachtung ihrer funktionellen Zusammenhänge.

2. Visceraler Bereich

Das Arbeiten mit den inneren Organen und deren Zusammenhänge zum Gesamtorganismus. Außerdem die Regulierung vor Spannungen, die z.B. im Rahmen der Verarbeitung und Anpassung an langandauernde Stresszustände oder emotionale Verletzungen auftreten und deren Ausdruck in der Körperhaltung. Ausgleich und Harmonisierung des autonomen Nervensystems und der damit verbundenen Organfunktionen.

3. Cranio-sacraler Bereich

Die Schwerpunkte der Behandlung liegen im Bereich des Kopfes (= Cranium) und des unteren Rückens (= Sacrum oder Kreuzbein) - daher der Name Craniosacral Therapie. Mit sensiblen und äußerst feinfühligen, kleinen Bewegungen korrigiert der Therapeut an den Knochen des Schädels, des Kiefers und des Beckens und Kreuzbeins Verschiebungen, die sich im Laufe eines Lebens durch Anspannungen und Verspannungen, Verstauchungen, Unfälle und Stürze festgesetzt haben. Die Craniosacrale Therapie geht davon aus, dass der Körper schmerzliche Erfahrungen (Unfälle, Stürze, Schläge, aber auch negative Gefühle) als Erinnerung in den Zellen speichert. Durch die speziellen Berührungen des Therapeuten können solche Traumata freigesetzt und aufgelöst werden. Dadurch stellt sich ein tiefes Gefühl von Heilung und Entspannung ein.

Das craniosacrale Konzept wurde zu Beginn dieses Jahrhunderts von dem Osteopathen ‘Dr. William Garner Sutherland (1873-1954) entwickelt und als ein Teilgebiet in die Osteopathie integriert. Der amerikanische Osteopath John Upledger verhalf dieser Methode bereits in den 70er Jahren zum großen Durchbruch in den USA.

DIE BEHANDLUNG IN DER OSTEOPATHIE

Die festgestellten osteopathischen Dysfunktionen werden manuell durch unterschiedliche Behandlungstechniken gelöst.
Die wichtigsten werden hier kurz beschreiben :

1.Osteoartikuläre Techniken :

Sie wirken auf die Gelenke des Körpers und sind Grundlage der Arbeit im Bereich von Problemen und Schmerzen des Bewegungsapparates. Die einge-schränkten Bereiche werden gelöst durch:

  • sanfte Bewegungen
  • Manipulationen mit und ohne Impuls: Sie dienen zur Lösung von Gelenken und zur Auslösung verschiedener Reflexe, z.B. für innere Organe. Charakteristisch ist das bei der Lösung der Blockierung auftretende Knacken.
  • myotensive Techniken/ Muskelenergie Techniken: Sie stellen oft eine sanftere Alternative zu den Manipulationen dar.

2. Viscerale Techniken :

Sie wirken auf den Bereich der inneren Organe, aber auch reflektorisch auf Bewegungsapparat und Atmung. (Wichtig bei chron. Erkrankungen und ständig wiederauftretenden Beschwerden im Bereich der Organe selbst und am Bewegungsapparat).

3. Cranio-sacrale Techniken :

Sie arbeiten mit dem cranio-sacralen Puls. Dies ist ein am ganzen Körper tastbarer Bewegungsrhythmus (wie Pulswelle oder Atmung), der allerdings sehr subtil ist. Der Cranio-sacralen Puls entsteht durch die ständige Erneuerung von Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit, die in einem Membransystem fließt, das sich von unserem Schädel bis zu unserem Steißbein ausdehnt. Das Ertasten und Beeinflussen dieser cranio-sacralen Bewegung bedarf langjähriger Übung und Erfahrung. Die Berührungen des Therapeuten führen dazu, das der Cranio-sacrale Puls sich ausdehnt und harmonisiert. Dies bringt tiefgreifende Heilungsprozesse in Gang, da das Cranio-sacrale System mit unserem Hormon-haushalt, dem Nervensystem, dem Lymphsystem, dem Atemsystem, dem Blutkreislauf, wie auch zu unserem Bewegungsapparat mit seinen Muskeln, Sehnen, Bändern und Gelenken in Beziehung steht.

OSTEOPATHISCHES GESAMTKONZEPT

Nach der Vorstellung aller dieser Techniken erscheint es wichtig, darauf hinzuweisen, dass diese ihren Stellenwert nur im Rahmen des Gesamtkonzeptes der Osteopathie haben. So sind auch die drei beschriebenen Bereiche der Osteopathie Teile eines Ganzen, die nur zusammen eine vollständige Therapie ergeben. Osteopath und Patient arbeiten gemeinsam an den Hin-dernissen auf dem Wege zu Gesundheit und Wohlbefinden, um die Hemmnisse entweder zu beseitigen oder bewusst zu machen und so ein tiefergehendes Verstehen des Zusammenspieles des Gesamtorganismus (Körper - Psyche) zu erreichen. Im direkten körperlichen Kontakt während Diagnostik und Behandlung eröffnet sich der Wert der Osteopathie. Die Ausbildung erfordert allerdings langes Üben und Training manueller Fertigkeiten (Ausbildungsdauer mindestens 5 Jahre) und Schulung der Sensibilität, deren Bedeutung in der Ausbildung und Arbeitsweise der klassischen Medizin unserer Zeit nicht mehr erkannt wird. Der Schwerpunkt der Schulmedizin in der Pharmakologie und Operationstechnik haben einen grundlegend anderen Ansatz, aber in ihrer Wirksamkeit ihren unbestreitbaren und oft genug lebensrettenden Wert. Im Erkennen und Behandeln funktioneller Störungen und dem Einbinden des Menschen in seine Umwelt, findet diese „Notfallmedizin“ jedoch oft ihre Grenzen.

ANWENDUNGSBEREICHE FÜR DIE OSTEOPATHIE

Wie aus dem bisherigen Text hervorgeht, ist es im Prinzip nicht sinnvoll Indikationen (Heil-anzeigen) für die Osteopathie zu nennen und sie damit auf einzelne Bereiche festzulegen. Der Osteopath behandelt keine Krankheiten, sondern Menschen, unter Anerkennung ihrer individuellen Einzigartigkeit. Die Beseitigung von Symptomen, wie z.B. Schmerzen oder anderer Probleme wird selbstverständlich angestrebt, ist im Grunde aber nicht das Ziel der Behandlung, sondern nur ein Ergebnis der Auflösung von Einschränkungen/osteopathischen Dysfunktionen jeder Art. Ist dies der Fall, so wird die sinnvolle ‘Warnlicht - Funktion“ des Symptoms in den meisten Fällen nicht länger nötig sein und es kann wieder verschwinden.
Da die Osteopathie jedoch in Deutschland noch relativ unbekannt ist, möchte ich trotzdem einige Beispiele nennen, um eine Orientierungsmöglichkeit zu bieten.

Probleme im Bereich des Bewegungsapparates :

  • Degenerative: (Verschleiß) und verletzungsbedingte Störungen der Wirbelsäule und der Extremitäten.
  • Akute: Schiefhals, “Hexenschuss“, “Ischiasbeschwerden“, Sportunfälle, Schleudertrauma und Kopfverletzungen und -operationen, Operationen der Wirbelsäule
  • Chronische: Arthrosen, kompletter rheumatischer Formenkreis, Schultersteife, Skoliosen

Bereich Hals-Nasen-Ohren und Zahnarzt /Kieferorthopädie:

  • Hörsturz, Schwindel, Tinnitus (Ohrgeräusche), Nebenhöhlenentzündungen, Nasenschei-dewand-Asymmetrien, Mittelohrentzündungen (bes. chronische)
  • Kiefergelenksprobleme, Zahnfehlstellungen (bes. bei Kindern) Begleitend während und bei Problemen nach kieferorthopädischen Behandlungen. Begleitend bei Kronen-, Brü-cken- und Zahnersatz-Behandlungen
  • im Zusammenhang mit logopädischen Behandlungen

Bereich Kinderheilkunde:

  • angeborene und Geburtstraumatische Probleme wie
  • Schädel- und Gesichtsasymmetrien, Schiefhals, Klump- und Sichelfüße, Hüftdysplasien, Skoliosen
  • übermäßiges “Spucken“ und Dreimonatskoliken/Verdauungsstörungen,
  • “Psychische Problematiken“, wie Lern- und Konzentrationsstörungen, selbstverständlich auch Behandlung von Frauen vor und nach der Geburt.

Internistischer Bereich :

  • Verdauungsstörungen, Blähbauch, Reizdarmsyndrom
  • Sodbrennen, Gastritis, Zwerchfellhernien
  • Probleme nach Bauch- und Thoraxoperationen, Verwachsungen , Narben !
  • Lymphstau, gestörter Lymphtransport
  • manche Arten von Herzbeschwerden und Bluthochdruck

Urogenitaler Bereich :

  • Inkontinenz- und Entleerungsstörungen, chronische Entzündungen, Senkungen
  • begleitend bei chron. Nierenproblemen
  • Menstruationsbeschwerden, Unterbauchbeschwerden der Frau.

Allergien und Systemerkrankungen :

  • Autoimmun-Erkrankungern bei Kindern und Erwachsenen:
  • Heuschnupfen, Asthma bronchiale, chron. Bronchitis, u.ä.
  • Hauterkrankungen (Neurodermitis)
  • entzündlicher Gelenkrheumatismus, Bechterew
  • Herpes Zoster

Emotionaler Bereich :

  • Abbau von Stress
  • Entspannung / seelischer Ausgleich
  • Lösen von Verspannungen und Ängsten

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass sich die Osteopathie auf die Befreiung und Stärkung der Selbstheilungskräfte stützt. Darüber hinaus kann sie ausgleichend auf unser autonomes Nervensystem wirken. Bei sehr ernsten oder akuten Erkrankungen (Krebs, viele Infektionserkrankungen) oder bei beispielsweise den o.g. Systemerkrankungen, ist sie nicht die Methode der ersten Wahl, kann aber eine effektive Unterstützung geben, bzw. es kann begleitend behandelt werden. Die Osteopathie ist eine sinnvolle Ergänzung zur „klassischen“ Medizin.

Osteopathische Leistungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen.
In unserer Praxis bieten wir Ihnen Osteopathie als Selbstzahlerleistung an.